Wie ziele ich eigentlich?
Bin ich Instinktiv-Schütze oder Gap-Shooter?
Prinzipiell gibt es zwei große Gruppen von Zielmethoden. Und das ist zum einen Zielen mit einer Zielhilfe, das man auch als Visieren bezeichnet, und Zielen ohne Zielhilfe. Letzteres kann man wieder unterteilen in instinktives Zielen und Gap Shooting.
Was Zielen mit einer Zielhilfe ist, dürfte klar sein. Traditionelle Schützen haben hier nur die Möglichkeit mit der Pfeilspitze (Point of Aim) oder dem Bogenfenster zu zielen.
Beim instinktiven Zielen zielt man mit dem Unterbewusstsein. Man ruft quasi den Winkel des Bogenarms aus einer Tabelle im Gehirn ab. Die Bogenhand geht abhängig von der Entfernung in die richtige Position, ohne – und das ist das Entscheidende – nachjustieren zu müssen. Man braucht den Pfeil NICHT zum Zielen.
Beim Gap Shooting dagegen zielt man nach Gefühl. Man hebt oder senkt den Bogenarm so, dass er gefühlsmäßig im richtigen Abschusswinkel ist. Und dazu brauche ich zum einen die gedachte Flugbahn. Das ist der Bereich zwischen der Pfeilspitze und dem eigentlichen Ziel. Und genau das ist das Gap, also die Lücke. Man muss aber zusätzlich den Pfeil in seiner Lage im Raum sehen und miteinbeziehen.
Was ist nun mit dem Begriff „intuitives Schießen/Zielen"? , der ja sehr häufig verwendet wird. Und hier liegt das Problem. Viele bezeichnen damit, was hier als instinktives Zielen beschrieben wird, andere wiederum, das was hier als Gap Shooting bezeichnet wird. Man beschreibt somit zwei verschiedene Zieltechniken mit dem Begriff „intuitiv„, was logischerweise zu Verwirrungen führen muss.
Und viele behaupten von sich, den Pfeil beim Zielen nicht zu brauchen. Wie kann man nun feststellen, welche Zieltechnik verwendet wird. Ganz einfach: Wenn man die Möglichkeit hat, einen Raum komplett abzudunkeln, kann man folgende Übung machen. Man stellt in rund 15 bis 18 Meter Entfernung eine kleine Kerze auf. Die Kerze ist deswegen wichtig, weil das Unterbewusstsein aufgrund der Flammengröße die Entfernung einschätzen kann. Die Schützen stellen sich nun auf und das Licht wird ausgeschalten. Und jetzt hört man es scheppern. Die Pfeile stecken teilweise 2 Meter über oder unter dem eigentlichen Ziel. Man sollte nach jedem Durchgang das Licht wieder anmachen. Das deshalb, weil man sich auch an das Dunkel gewöhnen kann.
Nur wenige sind in der Lage, einigermaßen in der Nähe des Ziels zu treffen. Die Überraschung ist bei den meisten sehr groß. Warum? Na, weil sie den Pfeil (wohlgemerkt nicht die Pfeilspitze) in seiner Lage im Verhältnis zum Ziel brauchen. Damit stellen die meisten dann fest, dass sie den Pfeil doch zum Zielen brauchen. Fast alle, die von sich behaupten instinktiv zu zielen, tun das in Wirklichkeit nicht. Damit sind sie nach obiger Definition „Gap Shooter", was ja per se weder gut noch schlecht ist. Es ist einfach eine der vielen Zielmethoden.
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