G. Fred Asbell (1940 - 2023)
Ein Nachruf
Mit G. Fred Asbell ist wohl einer der wichtigsten Protagonisten des traditionellen Bogenschießens im Alter von 84 Jahren gestorben. Asbell machte mit seinen Büchern das instinktive Bogenschießen bekannt. Seine Art des Schießens praktizieren auch heute noch viele Schützen. Und nicht wenige sehen in dieser Version eigentlich die hohe Schule des traditionellen Bogenschießens. Darüber hinaus war er leidenschaftlicher Bogenjäger.
Fred wurde am 14. August 1940 in Harrisburg/Illinois geboren. Im Jahr 1961 nach dem Militärdienst begann er mit dem Bogenschießen. Eher zufällig kam er damit in Berührung. Im Geräteraum seiner Firma, wo er arbeitete, fand er einen Bogen und war sofort davon angetan. Es war ein Bear Polar mit 36 Pfund. Danach schoss er fast jeden Tag, hatte aber keine Ahnung, wie das Schießen und Zielen eigentlich funktioniert. In einem Howard Hill-Katalog fand er eine Bilderserie, von der er sich das Schießen abschauen konnte. Im Laufe der Zeit entwickelte er seinen eigenen Schießstil und machte den Begriff „instinktives Bogenschießen„ bekannt.
Bereits zwei Jahre später wurde er zum Präsidenten der Deer Creek Archers Cloverdale/Indiana gewählt und wurde 1965 zum Bowhunting Director der Indiana Field Archery Association mit 3.000 Mitgliedern ernannt.
Auch sein Interesse an der Bogenjagd wurde immer größer. Dadurch wurde Fred 1966 Gründungspräsident der Indiana Bowhunters Association, eine Position, die er bis 1970 innehatte. Er übersielte nach Colorado und wurde auch dort bald Direktor der neu gegründeten Colorado Bowhunters Association.
In den 1970er- und 1980er-Jahren machte er sich als Organisations- und Führungspersönlichkeit einen Namen. Auf diese Zeit gehen eine Vielzahl von Aktivitäten zurück, die sich bis heute auf das Bogenschießen und die Bogenjagd (vor allem in den USA) auswirken. So war er unter anderem Präsident des berühmten Pope & Young Clubs und Mitherausgeber des damals einzigen Bogenjagd-Magazins „Bowhunter Magazine„.
Zum damaligen Zeitpunkt hatte er keine Ahnung von der Bogenjagd. „Als ich das erste Mal auf Bogenjagd ging, hatte ich vorher noch nie einen Hirsch in freier Wildbahn gesehen„, erklärte er in einem Interview, das er 2013 gab. Ein Typ namens Jim van Ness nahm ihn unter seine Fittiche und zeigte ihm Vieles über Pfeil und Bogen und nahm ihn auch zu ein paar Wettkämpfen mit. Jim war mit ihm bei der National Field Archery Meisterschaft in Hot Springs/Arkansas gewesen. Das war offensichtlich eine große Sache. „Ich erinnere mich, wie ich davon beeindruckt war, weil er ein ganzes Dutzend Aluminiumpfeile und zwei Bögen mit sich hatte. Ich hing an jedem seiner Worte„, so Fred weiter in diesem Interview. Jim van Ness galt damals als einer der erfahreneren Bogenschützen und Bogenjäger. Aber auch Fred Bear und die üblichen Verdächtigen waren Vorbilder für Fred Asbell.
Überregionale Berühmtheit erlangte er als Autor des Buches „Instinctive Shooting„, das er im Jahr 1986 herausbrachte. Auch wurde das Buch sechsmal nachgedruckt und in drei Fremdsprachen übersetzt. 1991 veröffentlichte er die Fortsetzung „Instinctive Shooting II„. Nicht weniger als 75.000 Exemplare wurden zusammen von beiden Büchern verkauft. Fred produzierte auch 1991 ein ergänzendes Video „Instinctive Shooting„ mit einer Auflage von rund 15.000 Exemplaren.
Als Präsident des Pope and Young Clubs leitete Fred die Umstrukturierung des Vereins. Das Ergebnis war unter anderem die Museumsanlage des Clubs. Unter Freds Leitung wurde der Pope and Young Club finanziell stabil und entwickelte sich von einem Jagdclub, der rote Zahlen schrieb, zu einem Club mit mehr als 1 Million Dollar an Vermögen. Heute ist der Club weithin als eine der renommiertesten Pro-Jagd- und Naturschutzorganisationen des Landes anerkannt.
Während des letzten halben Jahrhunderts jagte Fred in 32 Bundesstaaten und 9 kanadischen Provinzen sowie in 2 afrikanischen Ländern mit dem Bogen und erlegte 19 verschiedene Arten von Großwild. Als visionärer Bogenschütze und Bogenjäger hatte er ein Gespür für Geschichte und eine tiefe Wertschätzung für die Pioniere des Bogensports. G. Fred Asbell war lange Zeit als wortgewandter und unermüdlicher Botschafter unterwegs und verdient sich sicher einen Platz unter den größten Bogenschützen.
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