Zieh mal richtig

Grundlegendes

Obwohl fast jedermann weiß, dass bei Bergauf- und Bergabschüssen die Flugbahn flacher wird und es dadurch zu Hochschüssen kommen kann, gibt es bei solchen Situationen immer wieder Probleme. Warum ist das so? Der Frage wollen wir hier nachgehen.

Schießt man in der Ebene, hat der Pfeil eine bestimmte Flugbahnüberhöhung. Das ist abhängig von der Bogenstärke, vom Pfeilgewicht, vom Auszug, von der Federngröße und noch einigen anderen Dingen. Schießt man bergauf oder bergab, wird die Flugbahn zunehmend flacher. Bei einem theoretischen Schuss gerade nach oben oder unten sind Sehlinie und Flugbahn des Pfeils deckungsgleich (Bild 1).

Für alle Schüsse, egal ob gerade oder nach oben oder unten, gilt: Das T, gebildet aus Oberkörper und Schulter, muss immer vorhanden sein. Ist das nicht der Fall, hat man unter Umständen einen zu kurzen Auszug und der Pfeil geht zu tief (Bild 2).

Wer in seinem persönlichen Schussbereich bergauf oder bergab schießt, sollte eventuell immer etwas tiefer zielen, egal mit welcher Methode. Unter dem persönlichen Schussbereich versteht man den Bereich, in dem man keine Probleme mit der Entfernung hat (Bilder 3).

Bild 1 - Bergauf- und Bergabschüsse:
Die Flugbahn des Pfeils wird mit zunehmender Steigung oder mit zunehmendem Gefälle immer flacher.
Bild 2 - Zu kurzer Auszug:
Hebt oder senkt man nur den Arm, wird der Auszug kürzer.
Bild 3 - Tiefer zielen:
Bei kurzen und steilen Bergab- und Bergaufschüssen sollte man drunter zielen.

Das Problem

Schießt man nun bergauf oder bergab, hat man mit zunehmender Steigung das Problem, trotz dem eingehaltenem T in den Vollauszug und in die Rückenspannung zu kommen. Je steiler es wird, desto schwieriger wird es. Das bedeutet, dass man auf Entfernungen, wo man in der Ebene kein Problem hat, unter Umständen zu kurz schießt.

Das kann man relativ leicht für sich selbst überprüfen. Man zielt (ohne zu schießen) z.B. sehr steil auf einen 30 Meter hohen Baum. Und dann beobachtet man, wie viel vom eigentlichen Auszug fehlt. Das Gleiche kann man auch bergab machen. Auch hier wird man unter Umständen feststellen, dass der Auszug zu kurz ist.

Und dazu kommt noch, dass man Probleme hat, in die Rückenspannung zu gehen. Dadurch fehlt dem Pfeil dann zusätzliche Geschwindigkeit.

Was kann man tun?

Auszug feststellen
Um mit diesem Problem fertig zu werden – sofern man es hat – muss man zuerst feststellen, wie groß der fehlende Auszug ist. Dazu kann man mit geschlossenen Augen unterschiedliche Steigungen und Gefälle simulieren. Das kann man mit einem Smartphone aufnehmen (Bild 4).

Auszug üben
Und dann sollte man üben, für alle möglichen Situationen den richtigen Auszug zu haben. Dazu zielt man – ohne natürlich zu schießen – auf unterschiedlich steil stehende Ziele. Das muss nicht unbedingt auch ein 3-D-Ziel sein. Dazu kann man sich alle möglichen Ziele aussuchen. Der Wipfel eines Baums am Waldrand, der Dachgiebel meines Hauses oder auch vom Garagendach ein Punkt am Boden tun es auch (Bild 5).

Das kann man mit unterschiedlichen Methoden überprüfen. Zum einen kann man sich auf den Pfeil einen Ring malen, dann ausziehen und schauen, wie weit man gezogen hat. Eine andere Möglichkeit besteht darin, einen kleinen Teil eines Bierdeckels so auf den Pfeil zu stecken, dass er beim Auszug nach hinten rutscht. Dann ausziehen und einfach nachsehen.

Wer es aber ganz genau wissen will, geht auf einen Parcours und sucht sich eine weite Bergauf- und Bergabscheibe. Dann kann man die verschiedenen Auszüge probieren. Systemschützen haben es da leichter, weil das Zielen mit der Pfeilspitze einfacher ist.

Bild 4 - Auszug mit Smartphone überprüfen Bild 5 - Übung: Extremer Bergaufschuss

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