Was man alles darüber wissen sollte
Ein Naturprodukt
Holz ist ein Naturprodukt und anders als bei Alu- und Carbon-Schäften, haben wir kein über die gesamte Länge homogenes Material. Jeder Schaft ist anders und man muss sich als ambitionierter Schütze sehr bemühen, die einzelnen Schäfte so gleichartig wie nur möglich zusammenzustellen, denn nicht jede Holzart eignet sich für Pfeilschäfte.
Holzarten und Besonderheiten
Die Port Orford Zeder ist wohl das Schaftholz schlechthin und verdankt diese Ehre auch der Tatsache, dass sie - im Gegensatz zu anderen Bäumen - einen hervorragenden Ruf hinsichtlich der inneren Geradheit hat. Dieser Baum kommt nur in den USA im Staat Oregon und im Norden von Kalifornien vor. Dort sitzen auch die weltgrößten Hersteller von Zedern-Schäften. Gutes Schaftholz ist ein immer rarer werdendes Naturprodukt.
Neben dem Spinewert ist ganz besonders das Gewicht zu beachten. Selbst in einem Dutzend einer Spinewertgruppe von 2 Pfund hat man nicht selten Gewichtsdifferenzen von 6, 7 oder 8 Gramm. Für die Trefferlage eine schlichte Katastrophe. Spinen, Auswiegen, Aussortieren von rissigen oder harzigen Exemplaren und Prüfung auf Geradheit sind heutzutage mehr denn je notwendige, aber meist kostenpflichtige Zusatzleistungen beim Verkauf von Qualitätsschäften geworden.
Not macht bekanntlich erfinderisch. So werden alte Hölzer wiederentdeckt oder mit neuen Arten experimentiert, besonders da sich das allgemeine, vergleichbare Niveau entsprechend verschlechtert hat. Heute finden wir (wieder) Schafthölzer von Ramin, Esche, Ahorn, Chundoo, Birke, Hickory, anderen Zedernarten, Bambus, Pappel, Douglasie, Tanne oder Sitkafichte. Hierbei variieren Gewicht, Haltbarkeit, Geradheit und Richtbarkeit des Schaftes. Die verschiedenen Hölzer haben gegenüber der Port Orford Zeder Vor- und Nachteile. Die in unseren Breiten beheimatete Fichte bietet eine vernünftige und preisgünstige Alternative. Das Holz ist leichter als die Zeder. Besonders bei Schäften mit geringen Durchmessern wird das Holz oft maschinell komprimiert, um einen höheren Spinewert und Festigkeit zu erreichen.
Alle Hölzer haben die Tendenz in ihre Ursprungsform zurückzukehren. Auch sind Pfeile nach einer bestimmten Zeit „totgeschossen„, das heißt, dass die Holzfasern durch das ständige Stauchen verändert werden. Das merkt man dann daran, dass der Pfeil nicht mehr in die Ursprungsform zurückgeht. Insofern sind regelmäßige Schaftkontrolle und entsprechende Behandlung bzw. Ausrichtung angeraten. Jedes Holzmaterial hat seine Vor- und Nachteile.
Die gängigen Schaftdurchmesser sind 5⁄16 Zoll, 11⁄32 Zoll, 23⁄64 Zoll. Normalerweise werden diese Durchmesser auf einer Drechseleinrichtung hergestellt. Um auch kleineren Schaftdurchmessern einen höheren Spinewert zu geben, werden diese oft von größeren Durchmessern auf diesen Durchmesser komprimiert.
Jahresringe
Schneidet man einen Baumstamm durch, so sieht man im Querschnitt eine ringförmige Maserung, die man als Jahresringe oder Holzringe bezeichnet (Bild 1). Die Jahresringe spiegeln Entwicklungsphasen in der Vegetationsperiode wider. Je besser die Wuchsbedingungen nach der Ruhepause, desto größer ist das Wachstum und umso breiter gerät der Jahresring. Die Jahresringe sind sowohl die dunkleren Kreise und das helle Holz dazwischen. Die größeren, helleren Bereiche sind das sogenannte Frühholz.
Zwischen den Laub- und Nadelhölzern bestehen Unterschiede im Verhältnis von Früh- und Spätholz. Die Laubbäume haben eine relativ konstante Menge an Frühholz mit starken Variationen beim Spätholz. Bei Nadelbäumen hingegen ist es umgekehrt. Die Bildung des Spätholzes ist konstanter.
Der Spine
Man kennt im Zusammenhang mit dem Spine oder Spinewert zwei Begriffe, den statischen und den dynamischen Spine. Für die Praxis ist es nämlich nicht genug, sich nur auf den Spine, den man mit einem Gerät gemessen hat, zu verlassen. Man unterscheidet deshalb zwischen den beiden Spinearten. Ersterer wird von den Schaftherstellern angegeben und muss bei Holzpfeilen nicht immer stimmen.
Statischer Spine
Der statische Spine wird am aufliegenden Schaft, mit einem eingehängten Gewicht, gemessen. Beim Holzschaft wird der statische Spine festgestellt, indem man diesen auf Auflagepunkte legt, welche 26 Zoll auseinander stehen (Bild 2). In die Mitte wird ein Gewicht von 2 englischen Pfund (907 Gramm) gehängt. Die sich ergebende Durchbiegung wird in 1⁄1000 Zoll gemessen. Für Holzpfeile wird dieser Wert in Pfund umgerechnet.
Bei Schäften aus Alu- und Carbonmaterial erfolgt die Messung anders. Die Auflagepunkte sind 28 Zoll auseinander.
Dynamischer Spine
Demgegenüber steht der dynamische Spine, also die Durchbiegung des Pfeils beim Abschuss und im Flug. Zieht man weniger aus, wird natürlich weniger Energie auf den Pfeil übertragen und er biegt sich weniger durch. Zieht man weiter aus als üblich, wird logischerweise mehr Energie auf den Pfeil übertragen und der Pfeil biegt sich weiter durch. Das bedeutet, dass bei beiden beschriebenen Schüssen der Pfeil nicht mehr zum Bogen und Schützen passt und daher nicht mehr optimal fliegt. Passt der Spine nicht, zeigt sich das am Wedeln des Pfeils; dieser pendelt horizontal. Daher ist es wichtig, dass man immer den gleichen Auszug und auch immer das gleiche Release hat. Messen kann man diesen dynamischen Spine im praktischen Sinne nicht.
Spine unter Berücksichtigung der Jahresringe
Wegen der Jahresringe im Holz bekommt man unterschiedliche Werte bei der Spinewert-Messung, je nachdem ob man senkrecht oder quer zu den Jahresringen misst. Anders als bei Alu oder Carbon ist es hier nicht egal, wie ich den Schaft auf den Spinetester lege. Eine Messung auf die senkrechten Jahresringe hat eine geringere Durchbiegung zur Folge als eine Messung auf die waagrechten Jahresringe (Bild 3). In manchen Fällen stimmt das aber nicht. Ein gewisser Prozentsatz von durchgeführten Messreihen ergab umgekehrte Ergebnisse. Dies ist eben auch ein Teil der Individualität des Naturprodukts Holz. Kleine Messunterschiede ergeben sich auch, wenn man den Schaft um 180 Grad dreht.
Für das bloße Auge sind die Jahresringe meist gut sichtbar, die mitentscheidenden Zellstrukturen innerhalb der hellen Zuwachszone jedoch nicht. Die Jahresringe gehen oft nicht gleichmäßig durch den Schaft, sind in sich verdreht oder laufen, bedingt durch schlechten Zuschnitt, diagonal aus dem Schaft heraus (Bild 4). Jahresringe verlaufen zudem innerhalb des Baumstamms im Kreis, haben also eine leichte Krümmung im Querschnitt des Schaftes.
Ausrichtung der Nocke
Man bringt die Nocke so an, dass die Sehne in 90 Grad zu den Jahresringen steht. Die Jahresringe liegen dann im Querschnitt waagrecht auf dem Shelf (Bild 5). Dies war auch früher schon so, als das Thema Spinewert noch gar nicht bekannt war. Damit sitzt dann auch die Leitfeder automatisch in einer Linie mit der waagrechten Maserung.
Bei den sogenannten Self Nocks (also anstelle einer Nocke nur ein Einschnitt im Schaft) ist es wichtig, dass der Einschnitt zur Aufnahme der Sehne so erfolgt, anderweitig bestünden gute Voraussetzungen, den Pfeil beim Abschuss zu spalten.
Wer aber glaubt, dass sich der Pfeil nun wegen der durch den plötzlichen Druck beim Abschuss ausgelösten Stauchung, bei den folgenden oszillierenden Bewegungen, immer senkrecht gegen die Jahresringe bewegt und somit im Bereich des so gemessenen, meist höheren Spinewerts bleibt, liegt falsch. Der Pfeil dreht sich, je nach Intensität der Befiederung, schon bald nach dem Verlassen des Bogens mehr oder weniger schnell um die eigene Achse, während die stetig abnehmende Schlingerbewegung immer in der Waagrechten bleibt. Damit verändert sich fortwährend die Lage der Jahresringe zur waagrecht oszillierenden Bewegung und damit auch der dynamische Spine. Man müsste in diesem Sinne einen Schaft eigentlich statisch rundherum durchmessen und einen Mittelwert finden. Das ist aber nicht entscheidend. Ausschließlich die erste Durchbiegung verlangt nach dem passenden Spinewert. Diese bestimmt nämlich die Ausrichtung der Knotenpunkte, deren Linie der Pfeil im Flug folgt.
Ausrichtung des Schaftes nach der Maserung
Orientiert man sich nun an den im Querschnitt sichtbaren Jahresringen im Hinblick auf die Nock-Anbringung und Befiederung, kommt noch ein äußerst wichtiges Element hinzu, nämlich die Ausrichtung des Schaftes unter Beachtung der durch auslaufende Jahresringe verursachten Flammen oder Fladern auf dem Schaft (Bild 6).
Auf der Oberfläche erkennt man eine mehr oder weniger deutlich ausgeprägte Maserung, die sogenannten Flammen oder Fladern. Bei Bruch können sie gefährliche Spitzen bilden und sind unten von der Hand weg auszurichten (Bild 7). Diese Flammen oder Fladern erscheinen auf den gegenüberliegenden Seiten mit ihren Spitzen in umgekehrter Richtung. Man nimmt nun diejenige Seite nach unten, bei welcher die Flammen oder Fladern nach hinten zeigen, weg von der Hand des Schützen, die den Bogen hält. Damit sind die nach vorne zeigenden Spitzen dann automatisch oben auf dem Schaft, es sei denn, es gibt Verwerfungen um die Achse herum, wenn Jahresringe sich im Schaft drehen.
Holzpfeile bei den Verbänden
In den einzelnen Verbänden müssen für verschiedene Bogenklassen Holzpfeile geschossen werden.
IFAA (International Fieldarchery Association)
Die Regeln gelten in gleicher Weise bei den nationalen Verbänden DFBV, ÖBSV, FAAS und AAE.
Historical Bow (HB)
Die Pfeile müssen aus Holz sein, befiedert mit Naturfedern, und gleiche Befiederung und Spitzen aufweisen; die Farbe ist unerheblich. Sie dürfen keine Markierungen oder Flecken aufweisen, die als Zielhilfe dienen können und am Anfang eines Bewerbes nicht mehr als 25 mm Längenunterschied aufweisen. Die Nocken können aus beliebigem Material bestehen; jedes Spitzengewicht ist möglich. Moderne Pfeilspitzen und moderne Nocken sind erlaubt. In den Schaft eingeschnittene Nocken sind nur erlaubt, wenn sie auf geeignete Weise verstärkt sind.
Langbogen (LB)
Gleich wie HB. Letzte beiden Sätze „Moderne ...„ fehlen.
Traditional Recurve (TR)
Die Pfeile können aus beliebigem Material sein, befiedert mit Naturfedern und ähnlich bzgl. Material, Länge, Gewicht, Spine, Dicke und Nocken. Die Farbe und abnützungsbedingte Unterschiede sind unerheblich.
WA (World Archery)
Die Regeln gelten auch bei den nationalen Verbänden Dt. Schützenbund, ÖBSV und Swiss Archery.
Langbogen-Disziplin
Es sind ausschließlich Holzpfeile erlaubt mit den folgenden Merkmalen: Ein Pfeil besteht aus einem Schaft mit einer Spitze, einer Nocke (die direkt am Holzschaft angebracht sein muss oder direkt in den Schaft gesägt ist), Befiederung und, wenn gewünscht, Bemalung. Der maximale Durchmesser eines Pfeilschafts beträgt 9,3 mm. Pfeilumwicklungen (Wraps) unterliegen dieser Einschränkung nicht, dürfen jedoch nicht länger sein als 22 cm, gemessen vom tiefsten Punkt der Nocke bis zum Ende der Pfeilumwicklung); der Durchmesser der dazugehörigen Pfeilspitze darf maximal 9,4 mm betragen. Die Pfeile eines Wettkämpfers müssen auf dem Schaft seinen Namen oder seine Initialen tragen. Alle Pfeile, die in einer Passe benutzt werden, müssen identisch sein und die gleiche Art und Farbe der Befiederung, Nocken und, wenn vorhanden, Bemalung aufweisen.
Es werden Feldspitzen, kugelförmig oder konisch, für Holzpfeile verwendet. Die Befiederung besteht ausschließlich aus Naturfedern.
DBSV (Deutscher Bogensportverband)
Der Pfeilschaft muss aus Holz oder Pflanzenfasern (z.B. Bambus) bestehen und darf ausschließlich mit Naturfedern befiedert sein. Pfeilnocken und Spitzen aus beliebigem Material sind zugelassen.
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