Wenn´s am Auszug fehlt

Geht ein Pfeil zu tief oder zu hoch, wird oft gerätselt, woran es gelegen haben kann. Unerfahrene Schützen glauben dann oft, dass sie zu tief oder zu hoch gezielt haben. Beim nächsten Schuss geht der Pfeil dann drüber oder auch drunter; 3- D eben. Erfahrene Schützen erkennen aber den richtigen Fehler, wenn es am Auszug gelegen hat. Wie sich aber der fehlende Auszug wirklich auswirkt, kann man eigentlich nur über den Daumen bestimmen. Wir haben uns die Mühe gemacht, das einmal genau nachzuprüfen und damit eine klare Aussage treffen zu können.

Kurt Wallensteiner ist ein Tüftler. Seine Schussmaschinen erlauben es, präzise Aussagen über Bögen und Pfeile zu machen. Viele haben sich immer schon gefragt, was zu wenig oder zuviel Auszug für die Trefferlage und hier vor allem für die Höhenlage bedeutet. Wir haben dabei drei Testbögen verwendet.

Langbogen, 45 Pfund, 68 Zoll lang, 470 Grain Pfeilgewicht
Recurve Win&Win EX Power, 40 Pfund, 68 Zoll lang, 275 Grain Pfeilgewicht
Recurve Win&Win EX Power, 40 Pfund, 66 Zoll lang, 262 Grain Pfeilgewicht


Der dritte Bogen hatte Gummidämpfer auf die Wurfarme geklebt und war trotz kürzerer Länge und geringerem Pfeilgewicht langsamer.

Getestet wurden alle Bögen auf 30 und 40 Meter mit den Auszügen 26, 27, 28 und 29 Zoll. Wobei angenommen wurde, dass der Normalauszug 28 Zoll beträgt. Der erste Schuss wurde mit 28 Zoll Auszug geschossen und der Wert 0 zugewiesen. Mehr Auszug bedeutet daher eine höhere (plus), weniger Auszug eine tiefere Trefferlage (minus).

Grundsätzliches zur Geschwindigkeit
Die Geschwindigkeit hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dabei sind es Faktoren, die das Equipment betreffen und teilweise auch welche, die den Schützen, also den Schussablauf betreffen.

Bogentyp (LB, RC, SB)
Bogenstärke
Pfeilgewicht
Federn
Auszug
Art des Lösens (nach vorne, nach hinten ...)

Hier geht es vor allem um den Auszug. Wer weniger auszieht, wird logischerweise tiefer treffen. Dabei ist die Art des Lösens noch gar nicht berücksichtigt. Wer nach vorne löst, nimmt natürlich dem Pfeil zusätzliche Geschwindigkeit. Damit kann sich der Wert der Abweichung noch verdoppeln.

Drei Parameter
Grundsätzlich sind es drei Dinge, die vom Schützen bezüglich der Höhenlage beeinflusst werden können. Der Auszug und das Lösen wurden oben bereits genannt. Dazu kommt noch der richtige Abschusswinkel. Und diesen kann man mit verschiedenen Zielmethoden einstellen. Hier gibt es genauere und weniger genauere. Das instinktive Zielen gehört sicher zur zweiten Art.

Eine Schussmaschine macht bei allen drei Parametern keine Fehler. Ist der Winkel einmal eingestellt und wird immer der gleiche Pfeil (nicht die gleiche Pfeilart) verwendet, dann müsste der Pfeil immer im gleichen Loch stecken. Auch ist die Geschwindigkeit immer die gleiche.

Dynamischer Spine
Da sich bei geändertem Auszug auch der dynamische Spine ändert, war auch die Seitenabweichung zu sehen. Bei kürzerem Auszug werden die Pfeile steifer und wanderten nach rechts.

Die Grafiken
In den folgenden Grafiken sind sowohl auf der linken Achse die Abweichung in der Höhenlage in Zentimeter, als auch die Geschwindigkeit des Pfeils auf der rechten Achse in fps dargestellt. Auf der x-Achse befindet sich die jeweilige Auszugslänge.

Die Schuss­maschine:
Genauer kann man nicht schießen

Pfeil:
Ein, zwei Zoll mehr oder weniger Auszug sind bei unsauberer Schusstechnik schnell zusammen.
Langbogen Recurve 68 Zoll Recurve 66 Zoll
45 Pfund
68 Zoll lang
470 Grain Pfeilgewicht

Geschwindigkeit
Die Geschwindigkeit beim Testbogen steigt linear an. Zieht man 2 Zoll weniger, verliert der Bogen rund 20 fps. Das sind pro Zoll rund 10 fps. Gleiches gilt für mehr Auszug. Geschwindigkeit und höhenmäßige Abweichung laufen aber deswegen nicht parallel.

Auszugsdiagramm (nicht abgebildet)
Von 23 bis 30 Zoll Auszug verläuft beim Testbogen die Auszugskurve parallel zur Kraftlinie. Der Bogen zeigt damit kein Stacking.

Mehr Auszug
Zieht man einen Langbogen etwas mehr – hier um 1 Zoll – kann man relativ wenig Leistung mehr herausholen. Die Trefferlage steigt nur um 5,5 cm (auf 30 m) und 5 cm (auf 40 m). Das bedeutet, dass mehr Auszug bei einem Langbogen auf weitere Entfernungen wenig Vorteile bringt.

Weniger Auszug
Problematischer wird es aber bei zu wenig Auszug. Hier sind die Abweichungen bei 30 Meter noch nicht so gravierend. Bei 2 Zoll weniger sind es 10 cm, die man zu tief schießt. Das kann schon mal ein Fehlschuss auf eine Gruppe-III-Scheibe (bis 31 m) bedeuten.

Bei 40 m ist man aber schon um rund 40 cm zu tief. Und hier sind die Ablassfehler noch gar nicht dabei.
Win&Win EX Power
40 Pfund
68 Zoll lang
275 Grain Pfeilgewicht

Geschwindigkeit
Auch die Geschwindigkeit beim Recurve-Testbogen steigt fast linear an. Hier verliert der Bogen von 28 auf 27 Zoll 13 fps. Sonst sind es Zu- bzw. Abnahmen von rund 10 fps pro Zoll. Geschwindigkeit und Abweichung bezüglich der Höhe laufen aber deswegen nicht parallel.

Auszugsdiagramm (nicht abgebildet)
Von 25 bis 30 Zoll Auszug verläuft beim Testbogen die Auszugskurve parallel zur Kraftlinie. Der Bogen zeigt damit kein Stacking.

Mehr Auszug
Die Auswirkungen beim Recurve sind wesentlich stärker als beim Langbogen. 1 Zoll mehr Auszug zeigt einen Unterschied auf 30 und 40 m von 5 cm.

Weniger Auszug
1 Zoll weniger Auszug wirkt sich ähnlich aus. Bei 2 Zoll weniger Auszug ist das Ergebnis ähnlich dem Langbogen. Rund 33 cm tiefer trifft der Pfeil auf 40 m.

Hier sieht man den Unterschied zwischen IFAA- und WA-Entfernungen (IFAA bis 54 m, WA bis 30 m). Während bei WA sich Fehler nicht so gravierend auswirken, ist das bei IFAA-Entfernungen anders. Noch dramatischer wird es auf 54 m.
Win&Win EX Power
40 Pfund
66 Zoll lang
262 Grain Pfeilgewicht

Geschwindigkeit
Obwohl der Testbogen die gleiche Stärke hat, ist die Geschwindigkeit um 4 fps geringer. Das liegt daran, dass hier eine andere Sehne und Dämpfer am Wurfarm verwendet wurden.

Auszugsdiagramm (nicht abgebildet)
Das Auszugsdiagramm zeigt die typische Kurve eines kurzen Recurves. Genau bei 28 Zoll liegt sie auf der Kraftlinie. Auch dieser Bogen zeigt absolut kein Stacking.

Mehr Auszug
Zieht man einen kurzen Bogen weiter aus, sind die Abweichungen größer als bei einem längeren Bogen. Hier schießt man bei 40 m mit einem Zoll mehr Auszug bereits 16 cm zu hoch.

Weniger Auszug
Ähnlich wie beim langen Recurve sind auch die Abweichungen bei zu wenig Auszug. Hier kann man feststellen: Je geringer der Auszug, desto größer wird der Abfall bei steigender Entfernung.

Auch hier müssen WA-Schützen weniger auf den Auszug achten.

9... 9