Was macht einen guten Recurve aus?
Wer sich einen neuen Bogen zulegt, stellt sich natürlich dabei immer die Frage, was bekomme ich für mein Geld. Dabei sind Überlegungen, wie Aussehen und technische Eigenschaften natürlich immer wichtig. Und wer sich für einen Recurve und nicht für einen Langbogen entscheidet, will auch im Vorfeld über viele Dinge Bescheid wissen. Oft wird behauptet, dass ein Recurve schneller ist als ein Langbogen. Das ist bei unseren Bögen aber nur marginal der Fall. Gute Langbögen unterscheiden sich von guten Recurves – bei gleichen Materialien und Zuggewicht – in der Geschwindigkeit eher wenig. Bei billigen Bögen mag der Unterschied wesentlich größer sein. Den Geschwindigkeitsunterschied macht sehr häufig das Pfeilgewicht aus.
1) Verarbeitungswualität
2) Technische Details
Bogendesigns
Im Wesentlichen gibt es drei verschiedene Recurvetypen. Einen einteiligen Recurve mit einem Mittelteil, ähnlich einem Langbogen, einen einteiligen mit einem massiven Mittelteil und einen dreiteiligen, auch Take Down genannten, Recurve.
Die einteiligen Recurves mit nur einem Pfeilbett, ähnlich dem Langbogen, sind zu leicht. Damit verlieren sie natürlich an Stabilität und Schussruhe. Man kann bei solchen Bögen wenig Material im Griff verarbeiten. Dadurch ist auch kein Center Shot möglich.
Es geht vor allem um die Wurfarmgeometrie. Es ist schwierig, hier eine Regel aufzustellen. Die Kernfrage ist der Anstellwinkel, also der Winkel, mit dem der Wurfarm am Mittelteil aufliegt. Ist der Bogen im aufgespannten Zustand zu sehr vorgespannt, wird er nervös. Wenn der Wurfarm beim Schuss auf einen Schlag steht, also kein Nachschwingen hat, dann ist das richtige Verhältnis zwischen Anstellwinkel und Vorspannung gefunden. Der Schuss fühlt sich dabei sehr ruhig an. Auch wird das Abschussgeräusch wesentlich leiser. Je gerader der Wurfarm im aufgespannten Zustand ist, desto ruhiger schießt der Bogen (siehe Abb. nächste Seite).
Nun gibt es auch Recurves, die einen extremen Recurve haben. Das hat Nachteile, aber auch Vorteile. Der Hauptvorteil liegt darin, dass sich der Bogen sehr weich ziehen lässt. Man hat sogar das Gefühl, dass sich das Zuggewicht reduziert. Man hat aber nur ein gefühltes Let Off. Im Auszugsdiagramm sieht man, dass die Kurve nie nach unten geht. Auch ist der Bogen unter Umständen etwas schneller. Ein gut gebauter Bogen mit weniger Recurve kann aber da sicher auch mithalten. Der Nachteil ist aber, dass das Schussverhalten schlechter wird. Wenn der Recurve zu extrem wird, kann es auch passieren, dass die Sehne, wenn man nicht exakt nach hinten zieht, vom Wurfarm rutscht. Es geht also dabei darum, ein vernünftiges Verhältnis zu finden: Was ist noch stabil, was lässt sich gut kontrollieren und was stresst das Material nicht zu arg. Ist das der Fall, brechen die Bögen sehr häufig (siehe Abb. nächste Seite).
Wurfarmaufnahme
Es gibt im Wesentlichen zwei Varianten. Zum einen haben viele Bogenbauer ein eigenes System entwickelt. Zum anderen gibt es die ILF-Aufnahme (International Limb Fitting System). Auch besteht in der Schussqualität kein Unterschied, ob man einen ILF oder einen Take Down bei gleichen Spezifika schießt. Der Vorteil liegt darin, dass man relativ schnell die Wurfarme wechseln kann. Beim ILF kann man Wurfarme auch noch von verschiedenen Herstellern verwenden. Auch kann man noch beim Tiller einiges verändern, was bei einem Bogen mit festen Wurfarmen nicht geht. Und in einem kleinen Bereich, so zwischen 2 bis 4 Pfund, kann man die Bogenstärke noch verändern. Das hängt aber von der Bauweise ab. ...mehr
Bogenlänge
Die Bogenlänge muss im Verhältnis zum Auszug stehen. Die Tendenz geht zu längeren Bögen, vor allem, wenn damit präzise geschossen werden soll, wie es bei 3-D-Turnieren der Fall ist. Zum einen hat man dadurch einen größeren Sehnenwinkel. Man klemmt den Pfeil damit nicht ein. Ein langer Bogen schiebt anders an als ein kurzer. Ein kurzer Bogen vermittelt zwar das Gefühl, dass er schnell ist. Er ist aber nach den bisherigen Erfahrungen nicht schneller. Das wurde auch gemessen. ...mehr
Auszugslänge
Das hängt, wie vorher schon beschrieben, auch mit der Bogenlänge zusammen. Je länger der Auszug, desto länger sollte auch der Bogen sein. Ab 29 Zoll ist ein 64-Zoll-Bogen zu empfehlen. ...mehr
Wurfarme und Werkstoffe
Jeder Bogenbauer hat, sofern nicht von einem anderen abgekupfert wurde, seine eigene Geometrie bei den Wurfarmen. Je nachdem, wie der Anstellwinkel am Griffstück ist, funktionieren sie besser oder schlechter. Der Anstellwinkel ist jener Winkel, mit dem der Wurfarm am Mittelteil aufliegt. Und das ist wiederum abhängig von der gesamten Geometrie. ...mehr
Mittelteil und Mittelachse
Grundsätzlich ist es so, dass ein langes Mittelteil mit kürzeren Wurfarmen besser arbeitet als ein kurzes Mittelstück mit längeren Wurfarmen. Lange Wurfarme haben natürlich mehr Masse und schwingen stärker nach als kurze. Wichtig ist das richtige Verhältnis, abgestimmt auf den jeweiligen Schützen. Auch hier ist das Verhältnis zwischen Auszug und Wurfarmlänge zu beachten. Hat jemand einen sehr langen Auszug, ist ein längerer Wurfarm natürlich besser. Der Bogen ist dann weicher und fängt nicht an zu stacken. Mit einem 22er-Mittelteil und 64-Zoll-Wurfarmen ist man auf jeden Fall sehr gut bedient und erhält einen 66 Zoll langen Bogen. Für die Masse der Schützen mehr als ausreichend. ...mehr
Tiller
Die Mitte eines Bogens ist im tiefsten Punkt des Griffs. Die Pfeilauflage (Shelfboden) liegt zwischen 2,5 und 3 Zentimeter oberhalb der Mitte. Dadurch ist der untere Wurfarm länger als der obere. Der untere Wurfarm muss daher mehr Vorspannung haben. Sonst würden die beiden Wurfarme nicht synchron arbeiten. Der Tiller ist der Abstand vom Ende des Mittelteils zur Sehne. In der Regel ist der Abstand unten kleiner als oben. Der Anstellwinkel des Wurfarms ist also steiler. Angestrebt wird hier ein Wert zwischen 2 Millimeter und null. Wäre der Tiller extrem falsch, würden sich die Wurfarme zu unterschiedlich biegen und nach vorne gehen.
Bogenstärke
Der Bogen sollte so ein Zuggewicht haben, dass die persönliche Leistungsfähigkeit des Schützen nicht beeinträchtigt wird. Man muss also in der Lage sein, z. B. auf einem Turnier am Ende des Tages auch noch genug Kraft zu haben, um den Bogen zu ziehen.
Hier geht es vor allem auch um eine gute Beratung. Schießt jemand mit unterschiedlichen Zuggewichten, sollte darauf geschaut werden, bei welchem Bogen die beste Gruppierung erzielt wird. Auch sollte auf die Schusstechnik geachtet werden. Mit welchem Bogen kann man am besten ankern und wo ist das Release am schönsten? Weniger ist aus dieser Sicht mehr. Das Treffen hängt ja hauptsächlich vom sauberen Schießen und nicht vom Zuggewicht ab. ...mehr
Pfeilgewicht
Hier kommt wieder der Anstellwinkel zum Tragen. Dabei macht sich wieder der entspanntere Anstellwinkel bemerkbar. Man kann damit nämlich wesentlich leichtere Pfeile schießen und hat damit natürlich mehr Geschwindigkeit am Pfeil. Der Bogen bleibt im Abschuss immer noch ruhig. Ist das nicht der Fall, fangen viele Bögen an zu scheppern. Durch die extreme Vorspannung wird er sehr nervös und man kann damit keinen leichten Pfeil schießen. Es wird zu laut.
Standhöhe
Man kann die Standhöhe in einem bestimmten Bereich verändern. Grundsätzlich kann man dann sagen, dass eine größere Standhöhe den Bogen ruhiger, aber auch langsamer macht. Und umgekehrt macht eine niedrigere den Bogen schneller, aber auch nervöser.
Bei den genannten Bögen liegt die Standhöhe zwischen 7 3/4 und 8 1/4 Zoll (19,5 bis 20,5 cm). Diese Bögen sind im Abschuss sehr ruhig. Es wurde allerdings noch nicht getestet, ob sich die Geschwindigkeit ändert. Wie der Unterschied exakt ist, muss noch genau untersucht werden. Man muss das nämlich mit einer Schussmaschine testen. Mit der freien Hand wird die Messung zu ungenau. Es ist anzunehmen, dass das bei vielen Schützen gefühlsmäßig beurteilt wird. Die Erkenntnisse können nach einer entsprechenden Messung weitergegeben werden. ...mehr
Bogengewicht
Je höher das Bogeneigengewicht, desto besser ist es. Da gibt es aber Einschränkungen. Zum einen gibt es eine Grenze, ab der es nicht mehr sinnvoll ist. Bis rund 1,8 Kilogramm kann man gehen. Zum anderen muss man sich aber mit einem schweren Bogen auch wohlfühlen. Was nützt ein solcher Bogen, wenn er nicht gehalten werden kann.
Sehnenmaterial
Auch durch die passende Sehne muss der Bogen ruhig schießen. Vom Geräusch her muss er leise sein. Man muss hier ausprobieren, mit welchem Sehnenmaterial, mit welcher Sehnenstärke und mit welcher Sehnenart dies erreicht wird. Als Standard wird eine dreifach gespleißte Sehne mit 15 Strang verwendet. Im Normalfall passt das sehr gut. Es gibt zwar schnellere Sehnen, hier geht es aber um die Schussruhe und das Geräusch. ...mehr
3) Was macht einen Recurve teuer?
Es ist zuerst einmal die Beratung, die ja wesentlich aufwendiger ist, als bei industriell gefertigten Bögen. Jeder Bogen muss individuell zusammengestellt werden. Häufig müssen wir WA, wenn das gewünschte Zuggewicht nicht erreicht wird, 2 mal machen. Von der Beratung über das Bauen bis hin zur Abholung, incl. Beratung beim richtigen Pfeilmaterial usw.. Dies erfordert einen nicht unerheblichen Zeitaufwand. Dies machen wir für all diejenigen sehr gerne, die diese Leistung zu würdigen wissen.
Dann ist es die Entwicklung eines Bogens, die ebenfalls sehr teuer ist. Und schließlich kostet auch bei uns die Produktion mehr wie im Ausland, wo die Lohnkosten wesentlich niedriger sind. Die modern ausgestattete Werkstatt mit den Maschinen und auch die Software, um überhaupt individuelle Kundenwünsche umsetzen zu können, hat eben seinen Preis.
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