Pfeil-Tuning

Artikel-Übersicht: Bogentuning
WORUM GEHT ES IN DIESEM ARTIKEL?
  • Voraussetzungen für das Pfeiltuning: Vor dem Tuning des Pfeils sollte man wichtige Einflussfaktoren wie den Centershot, das senkrechte Halten des Bogens, die passende Nockengröße sowie die Aufspannhöhe beachten.
  • 3 Möglichkeiten des Tunings:
    • Tuning durch Beobachtung: Die einfachste Möglichkeit den Pfeil zu tunen ist das Beobachten des Pfeilflugs, um unsaubere Flugbewegungen wie Wedeln oder Reiten frühzeitig zu erkennen.
    • Blankschafttest: Bei dieser Methode schießt man unbefiederte Pfeile, wodurch selbst kleinste Abweichungen beim Spine oder der Nockpunkthöhe ohne Führungshilfe der Federn sichtbar werden.
    • Papiertest: Beim Papier-Tuning schießt man aus kurzer Distanz durch ein Blatt Papier und beurteilt anhand des Schnittmusters der Federn, ob der Pfeilschaft zu weich oder zu steif ist.

Einen Pfeil perfekt zu tunen sieht nach einer Menge Arbeit aus. Dieser Aufwand zahlt sich jedoch aus. Neben einem sauberen Flug erhöht sich logischerweise die Genauigkeit. Und auch für traditionelle Bogenschützen ist ein guter Pfeilflug essentiell. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten, zu einem guten oder perfekten Pfeil zu kommen.

Voraussetzungen

Centershot
Vor dem Tuning des Pfeils sollte man jedoch einige Dinge beachten. Wichtig ist der Centershot, also wie weit der Bogen zur Mitte geschnitten ist. Das bedeutet, dass die Sehne und der Pfeil genau auf das Ziel zeigen. Viele Traditionelle haben jedoch keinen Centershot. Je näher der Pfeil am Center ist, desto steifer muss dieser im Vergleich zu einem Bogen ohne Centershot sein. Gerade zu Beginn des Tunings sollte man sich hier Gedanken machen, denn der Centershot entscheidet darüber mit welchem Anfangs-Spine man starten soll.

Unterschiedliche Centershots:

Links Selfbow:

Als Auflage dient die Hand oder ein Lederstreifen. Der Pfeil liegt sehr weit von der Mittelachse entfernt.

Mitte Langbogen:
Pfeilrichtung und Mittelachse des Bogens stimmen nicht überein.

Rechts Recurve:
Bei einem Recurve können Pfeilrichtung und Mittelachse fast oder ganz übereinstimmen.

Bogen umlegen
Am idealsten ist es, wenn man den Bogen senkrecht hält. Vor allem Langbogenschützen halten den Bogen geneigt. Ein Grund ist, dass man das Ziel auch dreidimensional sieht. Ein weiterer Grund ist, dass man mit unterschiedlichen Neigungen die Richtung des Pfeils beeinflusst. Da der Drehpunkt nicht in der Höhe der Pfeilauflage ist, sondern im tiefsten Punkt des Griffs, bewegt sich der Bogen bei unterschiedlichen Neigungen nach links bzw. nach rechts. Und trifft dann auch dementsprechend. Die Neigung muss also immer gleich sein.

Die richtigen Nocken
Ein weiterer Faktor, welcher mitbetrachtet werden sollte, ist die Wahl der richtigen Nocke. Die Nocke darf weder zu fest noch zu locker auf der Sehne sitzen. Gerade Nocken, die zu fest sitzen, können zu Problemen beim Tuning führen. Die Nocke sollte gerade so fest am Pfeil klemmen, dass man den Bogen umdrehen kann, der Pfeil nach unten hängt und mit einem leichten Schlag auf die Sehne die Nocke sich lösen kann.

Aufspannhöhe
Zu guter Letzt sollte man auch die Aufspannhöhe nicht außer Acht lassen. Diese sollte nicht zu gering sein, denn die Sehne springt nach dem Schuss nach vorne. Wenn sich der Pfeil erst nach dem Kontakt der Federn mit dem Bogen von der Sehne löst, riskiert man einen schlechten Pfeilflug. Deswegen sollte die Aufspannhöhe immer hoch genug sein. Meist gibt sie der Bogenhersteller sowieso an.

Am besten startet man mit einem etwas längeren Pfeilschaft. Ein paar Zoll länger ist überhaupt kein Problem. Nach und nach sollte man sich der perfekten Pfeillänge annähern. Man kann sogar mit einem ungekürzten Pfeilschaft beginnen. Sollte die optimale Länge, wo der Pfeil weder zu weich noch zu steif ist, um 2 Zoll länger sein, so ist das eigentlich kein Problem. Ein sauberer Pfeilflug ist viel wichtiger als eine bestimmte Pfeillänge zu erreichen.

Neben der Pfeillänge kann man auch ein wenig mit dem Spitzengewicht spielen. Eine leichte Spitze mit zum Beispiel 100 Grain macht den Pfeil steifer. Eine Spitze mit mehr Gewicht bewirkt, dass der Spine des Pfeils etwas weicher wird.

Beim Tuning von Pfeilen oder Bogen sollte man sich immer Notizen machen. Alles, was bereits probiert wurde bzw. die Daten des optimalen Pfeils, wie etwa das Holz, der Spine, die Federn oder das Spitzengewicht. Auch die Daten des Bogens, wie Aufspannhöhe, Nockpunkthöhe oder Zuggewicht sollte man immer parat haben. Beim nächsten Kauf von neuen Pfeilschäften sind diese Informationen durchaus hilfreich.

Bogen umlegen:
Neigt man den Bogen, wandert die Trefferlage nach links oder rechts.
Passt die Nocke?
Der Pfeil sollte an der Sehne hängen bleiben. Bei einem leichten Schlag auf die Sehne sollte sich der Pfeil lösen.
Aufspannhöhe
Sie sollte so hoch sein, dass sich der Pfeil von der Sehne löst, bevor die Feder Kontakt zum Bogen hat.

Möglichkeit 1: Beobachtung

Die einfachste Möglichkeit seinen Pfeil zu tunen ist, wenn man den Pfeilflug beobachtet. Ein befiederter Pfeil ist sehr leicht zu verfolgen. Kleinere Bewegungen zu Beginn des Flugs sind nicht allzu schlimm, sofern sich der Pfeil während des Fluges wieder stabilisiert. In der Regel liegt es dann am unsauberen Release des Schützen. Wie erkennt man nun aber, ob der Flug des Pfeils nicht ganz so optimal ist. In der Regel wird der Pfeil entweder seitlich abweichen, das bedeutet, man sieht wie sich die Nocke seitlich versetzt. Das nennt man wedeln (engl. Fishtailing). Oder die Nocke macht eine ähnliche Bewegung jedoch vertikal, was man reiten nennt. Eine Kombination dieser beiden Bewegungen ist auch möglich. Die Nocke macht dann eine kreisende Bewegung und der Pfeil eiert sozusagen ins Ziel. Und das heißt reudeln. Seitliche Bewegungen des Pfeils hängen in der Regel mit dem Spine zusammen, vertikale eher mit der Höhe des Nockpunktes.

Am besten beginnt man mit einem Abstand von ca. 10 Meter zum Ziel. Wenn man mit einem ungekürzten Pfeil eine seitliche Bewegung merkt und der Pfeil auch rechts vom gewünschten Ziel einschlägt, dann weiß man, dass der Schaft zu weich ist. In Viertelzoll-Schritten sollte man sich nun seiner optimalen Länge nähern. Sollte man jedoch mit einem ungekürzten Pfeil zu sehr links sein, dann ist der Schaft definitiv zu steif. Hier ist es ratsam auf einen etwas weicheren Schaft umzusteigen.

Möglichkeit 2: Blankschafttest

Eine weitere Möglichkeit des Tunings ist mit einem unbefiederten Pfeil, dem sogenannten Blankschaft- oder Rohschafttest. Die Idee dahinter ist, dass man den Pfeil ohne jegliche Führungshilfe der Federn schießt. Somit kommen selbst kleinste Abweichungen beim Spine oder des Nockpunkts ans Tageslicht. Wenn ein Pfeil ohne Federn nicht wirklich fliegt, dann wird man auch mit Federn kein gutes Ergebnis erzielen können. Beim Blankschafttest bedarf es jedoch einer sehr guten bis nahezu perfekten Technik. Denn kleinste Fehler bei der Schusstechnik wirken sich hier noch gravierender aus und das Tuning kann schnell frustrierend werden. Was hier auch noch zu beachten ist, ist der sogenannte Spline. Das Wort ist eine Kombination aus Spine und Line. Es bedeutet, dass die natürliche Biegung des Pfeils beim Abschuss (aufgrund des Materials) mit der Biegung zum Bogen übereinstimmen muss. Macht man diesen Test nicht, erhält man unter Umständen falsche Ergebnisse.

Auch hier startet man mit einer Distanz von etwa 10 Metern. Die Nockpunkthöhe ist im ersten Schritt nicht allzu wichtig. Hier kann man einen etwas höheren Nockpunkt wählen. Zuvor sollte man den optimalen Spine in den Griff bekommen. Der Pfeil sollte gerade vom Bogen wegfliegen. Sollte der Pfeil zu weich sein, so können wir entweder die Länge etwas kürzen oder eine leichtere Spitze verwenden. Bei einem zu steifen Spine kann man das Spitzengewicht erhöhen oder einen längeren Pfeil mit demselben Spine testen. Der Pfeil wird so lange angepasst, bis die Flugbahn optimal ist.

Wenn wir das geschafft haben, widmen wir uns dem Nockpunkt. Dieser wurde zu Beginn etwas zu hoch eingestellt. Nach und nach wird die Nockpunkthöhe nach unten gesenkt, bis der Pfeil nicht nur seitlich, sondern auch vertikal sauber ins Ziel fliegt. Zu guter Letzt ändern wir die Entfernung auf 20 Meter und schießen erneut auf das Ziel. Sollte man dennoch kleinere Unsauberkeiten bemerken, so sollte man nur mehr kleinere Veränderungen machen. Dieses Tuning klingt sehr einfach, ist jedoch enorm von der Schießtechnik des Schützen abhängig.

Nun gehen wir noch einen Schritt weiter und schauen uns die Gruppierung der Pfeile an. Hier verwendet man neben drei unbefiederten Pfeilen auch drei Pfeile mit Federn. Auf einer Entfernung von 10 Metern schießt man auf das Ziel und schaut, wie die sechs Pfeile gruppieren. Wenn sie alle auf dem gleichen Punkt stecken, so ist der Pfeil perfekt. Wenn die unbefiederten Pfeile jedoch etwas weiter rechts landen, so muss man den Spine der Pfeile noch ein wenig steifer machen. Am Spitzengewicht sollte man jedoch keine Änderungen mehr vornehmen. Wie bereits erwähnt, sollten die Änderungen direkt am Pfeilschaft durchgeführt werden.

Ist die Gruppe nun perfekt, kann man die Distanz auf etwa 20 Meter vergrößern und nochmals versuchen eine Gruppe mit allen sechs Pfeilen zu schießen. Das Ergebnis sollte auch hier ident sein. Stecken sie alle im gleichen Streukreis, wären Bogen und die Pfeile perfekt abgestimmt. Allerdings muss man hier einigermaßen gut schießen und treffen können.

...Blankschafttest

Möglichkeit 3: Papiertest

Eine weitere Variante ist das Papier-Tuning. Hierbei schießt man durch ein Blatt Papier auf eine Scheibe. Man startet mit einer Entfernung von ca. drei Metern. Im Idealfall sollte man bei den Durchschüssen die drei Schnitte der Federn sehen und in der Mitte ein Loch. Auch hier sollte man mit einem etwas zu langen Pfeilschaft beginnen. Ist das Loch des Pfeils rechts und die Federn links, so ist der Pfeil zu weich. In Viertelzoll-Schritten verkürzt man nun den Pfeil, bis das Loch im Zentrum der drei Federnschnitte ist. Ist das Schussbild jedoch umgekehrt, also das Loch links und die Federn rechts, hat man von Beginn einen zu steifen Pfeil verwendet. Am besten wechselt man gleich auf einen weicheren Schaft. Je näher man zum perfekten Ergebnis kommt, desto kleiner sollte jedes Mal die Veränderung sein. Nach und nach sollte man auch die Entfernung zum Papier verändern. Schlussendlich sollte das Ergebnis auf 10 Metern gleich sein wie auf 20 Metern.

Schussbild 1:
Ideale Abstimmung.
Schussbild 2:
Zu niedriger Nockpunkt. Er sollte schrittweise jeweils um 1 mm nach oben verschoben werden.
Schussbild 3:
1. Zu hoher Nockpunkt. Er sollte schrittweise jeweils um 1 mm nach unten verschoben ­werden.

2. Pfeil zu weich. Schaft kürzen oder steiferen Pfeil verwenden.
Schussbild 4:
Zu steifer Pfeil. Schwerere Spitzen, leichtere Sehne (weniger Stränge), weicheren Pfeil ­verwenden.
Schussbild 5:
1. Zu weicher Pfeil. Steiferen Pfeil oder ­schwerere Sehne (mehr Stränge) verwenden.

2. Schlechtes Release. Daran arbeiten.
Schussbild 6:
Kombination von mehreren Störungen. Vertikale Störung (Nockpunkt) zuerst beseitigen.

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