3 oder doch 4 Federn?

Auswirkungen auf die Trefferlage
WORUM GEHT ES IN DIESEM ARTIKEL?
  • Auswirkungen auf die Trefferlage: Wie wirken sich unterschiedliche Federnformen und Anzahl aus.
  • Test auf 20, 30, 40 und 50 Meter: Die Testergebnisse zeigen, dass der vierfach befiederte Pfeil mit zunehmender Distanz tiefer trifft – von wenigen Zentimetern auf 20 Meter bis hin zu 72 cm Abweichung auf 50 Meter im Vergleich zum dreifach befiederten Pfeil.

Auswirkungen auf die Trefferlage

Oft schwören Bogenschützen auf ihre vier Federn am Pfeil. Auf die Frage, ob der Pfeil damit nicht langsamer wird, fehlt aber oft die überprüfte Antwort. Man glaubt einfach nur, dass es so ist. Das war für uns ein Grund genug, um das einmal mit einer Schussmaschine nachzuprüfen. Kurt Wallensteiner aus Osttirol ist bekanntlich ein technischer Tüftler, der Seinesgleichen sucht. Seine Schussmaschine erfüllt alle Anforderungen, die man braucht, um exakte Aussagen zu bestimmten Fragen zu machen. Und uns beschäftigte die Frage, ob drei oder vier Federn besser sind.

Federn stabilisieren den Pfeil. Je größer allerdings die Federn sind, desto mehr bremsen sie ihn auch. Es geht also um die Bremswirkung der Luft, was man auch als Strömungswiderstand bezeichnet. Diese wird hauptsächlich bestimmt durch:
- Formwiderstand (Frontalwiderstand, Druckwiderstand)
- Reibungswiderstand (Flächenwiderstand)


Natürlich sind hier die Federn mit beteiligt. Die Wirkung der Befiederung ist abhängig von der Gesamtfläche (Länge, Höhe, Form) und der Art und Stärke der Ausrichtung (versetzt, helikal), sowie der Anzahl der Federn. Naturfedern haben einen besseren Stabilisierungseffekt als Plastikfedern. Aber alles, was den Pfeilflug kontrolliert, bremst auch. Es ist ein Tausch von Präzision gegen Geschwindigkeit, neben allen anderen Vor- und Nachteilen, die abzuwägen sind. Was die reine Form der Federn anbelangt (abgesehen von Länge und Höhe), ist bei den gängigen Umrissen ein Unterschied hinsichtlich der Aerodynamik nur sehr schwer festzustellen.

Alle Betrachtungen hinsichtlich der verschiedenen Strömungen sind größtenteils Spekulation. Alles was die Stabilisierung durch die Befiederung verbessert, reduziert die Geschwindigkeit und verschlechtert den CW-Wert. Was nun die Aerodynamik, rein auf die Form bezogen, anbelangt, gehen die Meinungen von einer reinen Geschmacksache, bis zu peniblen Erklärungen, was warum besser ist, auseinander. Es scheint so, dass der einzige Unterschied im äußerlichen Erscheinungsbild liegt.

Allerdings muss es Unterschiede geben, ob man drei oder vier Federn verwendet. Um das vergleichen zu können, muss man natürlich die gleichen Federn und den gleichen Drall verwenden. Sind beide unterschiedlich, kann man logischerweise das auch mit der besten Schussmaschine nicht mehr feststellen.

Die Pfeile:
Dreifach und vierfach befiedert.
Die Schussmaschine:
Genauer kann man nicht schießen.
Die Ergebnisse:
Werden genauestens gemessen.

Die Tests

Wir haben für unsere Tests einen Langbogen mit 48 Pfund Zuggewicht und Carbonpfeile mit vier Zoll langen Parabolfedern mit einer geraden Befiederung und einem Pfeilgewicht von 30 Gramm verwendet. Geschossen wurde dabei auf 20, 30, 40 und 50 Meter. Und auch verschiedenen Auszugslängen haben wir in die Tests eingebaut. Jede Entfernung wurde auch mit jeweils einem Auszug von 26 bis 29 Zoll gemessen.

Die wichtigsten Erkenntnisse gleich vorneweg. Bezüglich der Geschwindigkeit gibt es natürlich Unterschiede. Ein Pfeil mit vier Federn ist langsamer. Und das muss sich auch auf die Höhe der Treffer auswirken. Je weiter die Entfernung, desto größer wurden die Unterschiede zwischen den Pfeilen. Der Pfeil mit vier Federn traf immer teilweise deutlich tiefer.

Dass man diese Ergebnisse nicht 1 : 1 auf jeden Bogen umlegen kann, versteht sich von selbst. Je nach Bogenstärke, Pfeilgewicht, Schaftdurchmesser und Federngröße werden sich die Ergebnisse natürlich unterscheiden. Aber die Tendenz dürfte bei jeder beliebigen Kombination gleich sein. Pfeile mit vier Federn bremsen stärker und treffen daher auf jede Entfernung tiefer.

Ob man mehr Stabilität mit vier Federn erreichen kann, konnte mit diesem Test nicht festgestellt werde. Und ob vier kleinere Federn, beispielsweise vier Dreizollfedern weniger bremsen als drei Vierzollfedern haben wir auch hier nicht ermittelt. Das müsste man selbst mit seinem eigenen Setup ermitteln.

Geschwindigkeiten:
Gemessen wurden die Anfangsgeschwindikgeit (V 0) und die Geschwindigkeit nach 20 Metern (V20).

Mit steigendem Auszug wird der Unterschied etwas größer, liegt zwischen 3 FPS (26 Zoll) und 6 FPS (29 Zoll). Es kann angenommen werden, dass die Geschwindigkeitsunterschiede mit zunehmender Entfernung größer werden.
1) Entfernung 20 Meter

Hier sind die Unterschiede naturgemäß kleiner. Bei 26 Zoll Auszug trifft der Pfeil 4,5 Zentimeter tiefer. zieht man 20 Zoll, treffen die Pfeile mit Dreifachbefiederung 13 Zentimeter höher.
2) Entfernung 30 Meter

Je größer die Entfernungen werden, desto größer werden auch die Unterschiede. Sind es bei 26 Zoll Auszug bei 6 Zentimeter, ist der Unterschied bei 19 Zoll Auszug schon 17 Zentimeter.
3) Entfernung 40 Meter

Dreifachbefiederte Pfeile treffen einfach höher. Bei einem normalen Auszug von 28 Zoll liegen sie um 24 Zentimeter höher. Hat man einen größeren Auszug, wird der Unterschied noch größer.
4) Entfernung 50 Meter

Bei 50 Meter wird die Sache dann ziemlich schwierig. Man nimmt durch vier Federn extrem viele Nachteile in Kauf. Bei einem Auszug von 29 Zoll trifft der Pfeil auf diese Entfernung 72 Zentimeter höher.

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