Traditionelles Bogenschiessen

Die größten Fehler beim Zielen (1)

Um zu treffen, ist eine richtige und saubere Schusstechnik natürlich Grundvoraussetzung. Was ist aber nun beim Zielen das Wichtigste? Beim Abschuss muss die Bogenhand und damit der Pfeil im richtigen Abschusswinkel stehen. Tut er das, trifft der Pfeil in der richtigen Höhe. Zielen hängt also hauptsächlich damit zusammen.

Welche Zieltechniken gibt es nun? Ich unterscheide drei, eine vierte ist in meinen Augen nur eine Hilfstechnik.

  • Wer mit der Pfeilspitze oder mit einem bestimmten Punkt am Bogenfenster auf einen vorher festgelegten Punkt zielt, ist Systemschütze.
  • Wer nur den Punkt, den er treffen möchte, betrachtet und den Winkel des Bogenarms unbewusst/unterbewusst in die richtige Position bringt, schießt instinktiv.
  • Wer seinen Bogenarm bewusst – wenn auch gefühlsmäßig – nach oben oder nach unten bewegt, um die Flugbahn bzw. den Abschusswinkel zu korrigieren, ist Gap Shooter.
  • Wer mit einem Seitenblick auf den Pfeil die Richtung korrigiert, verwendet die Schusstechnik (oder Hilfstechnik) Split Vision.
Systemschießen Instinktives Schießen
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Gap Shooting Split Vision
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Nicht wissen, wie man zielt

Das ist wohl das größte Manko. Viele Schützen behaupten von sich sehr oft eine bestimmte Zieltechnik zu verwenden. Häufig wird wie aus der Pistole geschossen „instinktives Schießen“ genannt. Bei genauerer Nachfrage muss ich dann immer feststellen, dass viele eigentlich nicht genau definieren und beschreiben können, wie sie es eigentlich machen. Viele meinen aber nur (vielleicht weil es „in“ ist?), dass sie instinktiv zielen. Sehr oft ist es aber etwas anderes.

Häufig wird aber instinktives Schießen und Gap Shooting verwechselt. Wer nun den Begriff intuitives Schießen verwendet und mit gefühlsmäßigem Schießen gleichsetzt, also den Bogenarm mit einer bewussten, wenn auch gefühlsmäßigen Handlung in die richtige Position bringt, schießt nach meinem Dafürhalten nicht instinktiv, sondern verwendet die Zieltechnik Gap Shooting.

Nicht wissen, wie man seine eigene Zieltechnik auch wirklich feststellt

Dazu kann man einige Fragen für sich selbst ehrlich beantworten. Danach könnte man sich in die einzelnen Zielmethoden einordnen. Erst wenn man wirklich weiß, wie man zielt, kann man daran gehen, mit den richtigen Übungen seine Zieltechnik zu verbessern.

Beantworten Sie mit JA oder NEIN:
1. Ich schätze die Entfernung in Metern.
2. Ich ziele mit der Pfeilspitze.
3. Ich ziele mit dem Bogenfenster.
4. Ich schaue auf den Punkt, den ich treffen möchte, und korrigiere dann bewusst den Winkel des Bogenarms nach Gefühl.
5. Ich stelle mir die Flugbahn vor und korrigiere dann den Winkel meines Bogenarms nach Gefühl.
6. Ich fixiere nur den Punkt, den ich treffen möchte? Ich korrigiere den Winkel des Bogenarms nicht mehr nach.
7. Ich nehme den Pfeil als Schatten zwar immer wahr, beachte ihn aber nicht.
8. Ich beachte den Pfeil bewusst (fokussiere aber nicht auf den Pfeil), um z.B. die Richtung zu bestimmen oder zu korrigieren.

Systemschütze: 1, 2, 3 * Gap Shooter: 4, 5 * Instinktivschütze: 6 * Split Vision: 8, kann mit Gap Shootig und instinktivem Schießen kombiniert werden.

Nicht wissen, ob bei einem Fehlschuss ein Fehler in der Schusstechnik oder aber in der Zieltechnik vorlag

Wenn ich nicht weiß, wo nun der Fehler liegt, ist es natürlich sehr schwer, den oder die Fehler zu beseitigen. Das heißt, ich muss feststellen, ob es an der Schusstechnik oder an der Zieltechnik liegt. Offensichtliche Schussfehler sind relativ leicht zu erkennen, Zielfehler allerdings nicht.

Eine mögliche Vorgangsweise sieht folgendermaßen aus: Man schießt mehrere Pfeile vom selben Standpunkt auf das gleiche Ziel. Dabei dürfen der Stand und die Körperposition nicht verändert werden. Ein Kollege beobachtet nun, wo der Pfeil beim Abschuss steht. Dazu steht man ca. zwei bis drei Meter seitlich vom Schützen und merkt sich den Punkt im Hintergrund, wo die Pfeilspitze beim Abschuss steht. Dabei sollte man den Kopf am Bogen aufstützen und ein Auge geschlossen halten. Auch darf man seine eigene Position nicht verändern.

Man kann nun folgende Beobachtungen machen:
Ist der Pfeil beim Abschuss mal zu weit vorne, mal weiter hinten, wird also unterschiedlich gezogen, liegt ein Schussfehler vor. Hier sollte man dann seine Aufmerksamkeit auf das Üben einzelner Punkte im Schussablauf legen.

Ist die Pfeilspitze dagegen mal höher und das andere Mal tiefer, liegt eindeutig ein Fehler beim Zielen vor. Und das ist ja einleuchtend: Ist der Pfeil beim Abschuss zu hoch oder zu tief, wird die Trefferlage dann dementsprechend sein.

Fehler in der Zieltechnik mit Änderung in der Schusstechnik korrigieren zu wollen

Wenn man nicht trifft, kann das mehrere Gründe haben. Es kann ein Fehler in der Schusstechnik sein, es kann ein Fehler in der Zieltechnik sein, es kann aber auch eine Kombination aus beiden sein.
Wer nun selbst versucht, das eine oder andere an der Schusstechnik zu ändern, wird unter Umständen nicht den gewünschten Erfolg haben. Auch die Ratschläge von „Experten“ gehen oft nur in die Richtung, dass es Ratschläge bezüglich der Schusstechnik sind. Dann muss festgestellt werden, wo der Fehler nun wirklich liegt.

Keine geeigneten Übungen für seine eigene Zieltechnik kennen

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Buch: Zielen mit traditionellen Bögen

Einer der häufigsten Fehler besteht darin, dass man instinktives und intuitives Zielen verwechselt, bzw. beides nicht richtig einordnet.
Wer also glaubt, instinktiv zu schießen, eigentlich aber Gap Shooting betreibt, wird mit Übungen, die die Bogenhand automatisch, also ohne weitere Korrektur, in den richtigen Abschusswinkel bringen, keinen Erfolg haben. Man muss also zuerst feststellen, wie man zielt, und kann sich dann die richtigen Übungen in der Fachliteratur suchen oder auch selbst einfallen lassen.

Übungen dazu im Buch „Zielen mit traditionellen Bögen“

 

Das Zielenüben vernachlässigen

Wer nur die Schusstechnik trainiert, hat zwar die Voraussetzungen dafür, dass der Schuss technisch immer gleich abläuft, das Zielen lernt man dadurch nicht oder nur zu wenig. Eine saubere immer gleiche Schusstechnik ist ja die erste wichtige Voraussetzung für das Treffen. Wenn Sie also üben oder trainieren, versuchen Sie dabei immer Übungselemente für beides Schuss- und Zieltechnik – gleichermaßen einzubauen.

Den Fokus am Ziel verlieren

Das betrifft vor allem Instinktivschützen. Man muss den Punkt, den man treffen möchte, fixieren und sich darauf konzentrieren. Je kleiner dieser Punkt am Ziel ist, desto besser. Dieser Punkt muss nicht unbedingt genau im Zentrum sein. Er sollte sich aber in der Nähe befinden.

Nun passiert es häufig, dass man während des gesamten Zielvorganges (Vollauszug – Rückenspannung – Release) diesen Punkt nicht mehr fixiert und die ganze Scheibe betrachtet. Damit vergrößert sich automatisch der Streukreis. Bei mir kann dann dieser bei einer Entfernung von 20 Meter durchaus von 20 cm Durchmesser auf einen halben Meter explodieren.

Lernen Sie also das Absetzen. Wenn Sie den Punkt verlieren, setzen Sie den Schuss ab und beginnen ganz von vorne.

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