Besser treffen mit Refernzscheiben

Wer kennt es nicht. Man geht durch einen Parcours oder schießt ein Turnier und kommt an eine Scheibe, wo man keinen Plan hat, wie man die schießen soll. Man weiß nicht, ist sie jetzt sehr weit oder doch nicht, ist sie groß, oder eine neue Scheibe, die ich noch nie gesehen habe. Auch wenn man Instinktivschütze oder Gap-Shooter ist, somit die Entfernung in Meter eigentlich nicht wissen muss, will die Unsicherheit nicht weichen. Trotzdem ist die gefühlte Entfernung, die dem Unterbewusstsein einen „Eindruck“ von der Entfernung vermittelt, wichtig. Und weil man unsicher ist, trifft man auch nicht. Erst beim zweiten oder dritten Pfeil hat man eventuell die Sache im Griff; oder auch nicht.

Auf mir nicht bekannten Parcours gehe ich folgendermaßen vor. Ich kenne meinen persönlichen Schussbereich. Bei jedem Schuss überlege ich zuerst, ob die Scheibe innerhalb, oder außerhalb meines Schussbereichs liegt. Dieser Bereich endet bei mir bei gutem Training bei rund 48 bis 50 Meter. Steht die Scheibe innerhalb, schaue ich als Instinktivschütze genau auf den Punkt, den ich treffen möchte. Liegt sie außerhalb, schaue ich auf die Rückenlinie der 3-D-Scheibe. Habe ich die Situation richtig eingeschätzt, treffe ich mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem ersten Schuss. Habe ich die Situation nicht richtig eingeschätzt, ist die Wahrscheinlichkeit eines Fehlschusses sehr groß. In den meisten Fällen liege ich mit meiner Einschätzung richtig. Je nach Schwierigkeitsgrad des Parcours ist die Einschätzung aber bei 70 bis 80 Prozent kein Problem. Bei einem 28-Scheibenparcours habe ich nur bei fünf bis acht das Problem. Würde ich hier genau wissen, wie die Scheibe jetzt tatsächlich steht, hätte ich einen entscheidenden Vorteil.

Schritt 1: Definition der Probleme
Hier geht es darum, herauszufinden, bei welchen Scheiben habe ich Probleme. Sind es weite, sind es nahe oder auch andere. Ich schreibe mir diese Scheiben auf oder merke sie mir. Einsteiger werden mehr haben, Experten vielleicht nur mehr wenige. Für sie sind 90 Prozent der Scheiben unter Umständen kein Problem mehr. Schießen sie trotzdem bei diesen „normalen“ Scheiben daneben, lag es sicher nicht am fehlenden „Plan“.

Schritt 2: Suchen von problematischen Scheiben
Schieße ich nun auf einem Parcours, notiere ich jene Scheiben, die zu meinen Problemfällen zählen. Das kann schriftlich geschehen, man kann sich aber auch ein Foto von der Situation machen. Schießt man öfters auf fremden Parcours, wird es immer wieder Scheiben geben, die genau in mein „Problemprofil“ passen. Noch besser ist natürlich, wenn man auf dem eigenen Clubparcours die Möglichkeit hat, einzelne Ziele so zu stellen.

Schritt 3: Trainieren und Üben
Habe ich ein Ziel gefunden, geht es darum, diese spezielle Scheibe zu üben. Das heißt, man sollte sie oft schießen. Je öfter man das macht, desto besser wird man treffen. Ich versuche auf Parcours, solche Ziele mehrfach zu schießen. Ich schieße drei Pfeile, hole sie und schieße wieder drei. Das mache ich einige Male. Am eigenen Vereinsparcours trainiere ich auch manchmal nur diese Scheiben. Das prägt sich ein und ich kann diese Situationen auch wo­anders abrufen.

Schritt 4: Auf neue Situationen anwenden
Treffe ich nun auf solche Situationen, versuche ich mich an die ähnliche zu erinnern. Ich weiß dann, was ich machen muss; zumindest habe ich einen „Plan“ und fühle mich sicherer. Es klappt zwar nicht immer, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich treffe, erhöht sich. In einem Turnier sind es gerade diese Scheiben, die „den Unterschied“ machen.


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