Makel auf 3-D-Parcours

Artikel erschienen in 3-D BOGENSPORT (2/2015)

Die großen und kleinen Makel

Parcoursbetreiber sind prinzipiell immer der Meinung, dass ihr Parcours toll ist. Und wird man als Schütze nach einer Runde von den Betreibern gefragt: „Na und wie gefällt euch der Parcours?„, ist konstruktive Kritik des Öfteren nicht gewünscht. Macht man es trotzdem, hat man nicht gerade einen neuen Freund fürs Leben gefunden. Parcoursbetreiber – egal ob es ein Verein oder ein gewerblicher Anbieter ist – sollten aber trotzdem darauf achten, dass Mindeststandards eingehalten werden. Oft scheitert es an den finanziellen Mitteln, oft aber auch an der Nachlässigkeit des Betreibers. Da aber für die meisten Parcours ein Beitrag von rund € 10,- für zwei bis drei Stunden verlangt wird, kann man als Schütze auch erwarten, dass der Parcours einigermaßen in Ordnung ist.

Keine Einschussscheibe

Vor einer Parcoursrunde möchte sich jeder natürlich erst mal einschießen. Man möchte das Material oder die Schusstechnik testen. Wenn der erste Schuss erst auf Scheibe eins erfolgen kann, hat das unter Umständen mehrere nachteilige Reaktionen zur Folge. Zum einen könnten die Schützen schon negativ eingestellt sein und diese Kritik auch an andere Schützen (nicht unbedingt an den Betreiber) weitergeben. Zum zweiten werden die Schützen natürlich die erste oder eine der ersten Scheiben zum Einschießen benutzen, was die Lebensdauer wesentlich verkürzen kann.

Nicht für alle Schützen zugelassen.

Immer wieder muss man feststellen, dass z.B. Compoundschützen nicht am Parcours schießen dürfen. Wenn man bedenkt, dass der 3-D-Bogensport aus den USA kommt und dort 95% der Leute mit einem Compound schießen, ist es eher verwunderlich, dass viele Betreiber diese Gruppe ausschließen. Ein Argument kann man gelten lassen, dass z.B. das Gelände sehr klein ist. Da Compounder weiter schießen (aber auch besser treffen), könnte das wirklich ein Ausschließungsgrund sein. Wenn allerdings nur zerschossene Kleintiere am Parcours stehen, die nur Pfeile von traditionellen Bögen aushalten, hat das schon mit der Qualität des Parcours zu tun. Im Übrigen schonen Compoundschützen die 3-D-Scheiben mehr als traditionelle. Die Pfeilspitzen sind nämlich in der Regel in Ordnung. Und Geweihe, Lauscher (Ohren) und Sonstiges wird auch nicht abgeschossen.

Viele kleine Scheiben
Wenn auf einem Parcours von 28 Scheiben 17 kleine (Gruppe 4) aufgestellt sind, ist das für viele teilweise sehr frustrierend. Zwei, drei große machen den Eindruck nicht viel besser. Ein Wiesel ist logischerweise auch auf 10 Meter nicht leicht zu treffen. Und wenn diese auch noch zerschossen sind, sodass es auch bei leichten Bögen Durchschüsse gibt, schlägt das Herz sicher nicht schneller. Bei Compoundschützen werden dabei auch noch die Pfeile ruiniert. Ideal wäre die Anzahl der Scheiben je Scheibengruppe, wie sie beispielsweise die IFAA (International Field Archery Assn.) bei internationalen Turnieren vorgibt: 6 Gruppe 1; 6 Gruppe 2; 8 Gruppe 3; 8 Gruppe 4). Damit hätte man auch einen idealen Trainingsparcours.
Im Übrigen braucht man wesentlich mehr kleine Scheiben als große und das ist unter Umständen dann auch teurer.

Zerschossene Scheiben / schlecht sichtbare Wertungszonen
Das ist vielfach der Klassiker. Das Gelände ist super, auch die Wege und Stege. Aber von den Scheiben hängen buchstäblich die Fetzen davon. Man kennt den Tieren schon an, dass sie ewig stehen. Die Pfeile gehen durch, Compoundpfeile sowieso. Sehr oft sieht man die Killzone nicht mehr oder nicht mehr genau, was für jemanden, der auf einem Parcours trainieren möchte, sehr ärgerlich ist.

Schlecht reparierte Scheiben
Oft werden die Scheiben auch nur notdürftig repariert. Um auch hier zu sparen, werden die billigsten Materialien verwendet. Bauschaum wird da gerne genommen. In kürzester Zeit sind die Ziele dann wieder unansehnlich. Hier sollte professioneller Reparaturschaum verwendet werden, was aber mit Arbeit und mit Kosten verbunden ist. Und der Killbereich sollte dann einigermaßen richtig eingezeichnet sein. Auch die Stärke der Linie sollte dem Original entsprechen.

Nicht / nicht gut verankerte Scheiben
Da schießt man auf einen Hasen, trifft und das gute Ding liegt auf der Seite; ärgerlich. Das kann schon mal bei der einen oder anderen Scheibe passieren. Nicht immer ist der Betreiber jeden Tag am Parcours und bekommt natürlich nicht alles mit. Hier könnte man aber als Schütze/Vereinsmitglied das gleich vor Ort beheben oder zumindest es den Verantwortlichen mitteilen.
Fällt aber jede zweite Scheibe um, zeigt das nicht von großen Bemühungen. Wenn viele Scheiben bei jedem Schuss neu aufgestellt werden müssen, sinkt die Stimmung sehr schnell.

Nicht an Scheibengruppe orientiert
Steht der oben genannte Hase auch noch auf 35 Meter, zeigt das auch von wenig Erfahrung des Betreibers. Und muss man dann auf einen großen Bären auf eine ähnliche Entfernung schießen, verstärkt das auch noch diesen Eindruck.
Dazu sollte man die Entfernungen beachten, die Verbände für die einzelnen Scheibengruppen vorschlagen. IFAA: Gruppe 1 bis 54 m, Gruppe 2 bis 41 m, Gruppe 3 bis 31 Meter und Gruppe 4 bis 18 m.
Die WA (World Archery) hat auch Scheibengruppen. Hier schießen die Visierklassen (Compound und Barebow) bis 45 m, die traditionellen Schützen bis 30 m.

Mehrere Scheibennummern pro Abschuss
Mit 28 Scheiben wird der Parcours beworben. Eigentlich ist auf dem Gelände nur Platz für 20. Was also tun? Ganz einfach: Man setzt einfach pro Station mehrere Abschusspflöcke für mehrere Scheiben. Wenn das drei bis vier Mal pro Parcours passiert, kann man dann locker 28 Scheiben unterbringen.

Schlechte, nicht vorhandene, un­nötige Backstopps
Vielleicht kennen Sie das auch. Das Gelände ist wunderschön, es gibt genügend Möglichkeiten, die Scheiben so aufzustellen, dass es dahinter einen natürlichen Pfeilfang gibt. Und trotzdem sieht man immer wieder Tafeln aus den unterschiedlichsten Materialien, die hinter den Scheiben aufgestellt sind. Und der Heuler sind Bretterwände. Gut, es ist oft nicht möglich ohne eine solche auszukommen. Aber oft würde es schon genügen, die Scheibe nur einige Meter zu versetzen und man könnte sich diese grauslichen Dinger sparen. Einige Äste, die einfach davor gelegt werden, verbessern den optischen Eindruck nur unwesentlich; zumindest nicht, wenn von den Ästen Blätter oder Nadeln bereits abgefallen sind.
Künstliche Backstopps sind nur dort notwendig, wenn es absolut keinen natürlichen gibt. Außerdem sollten sie optisch in die Landschaft passen. Da legt man Wert auf möglichst detailgetreue Tiere, stellt aber bezüglich des Backstopps absolut keine Ansprüche.

Scheiben vor nicht zugänglichem Hintergrund
Auch wenn es noch so schön aussieht: Eine Scheibe auf einer Kuppe ist ein No-Go! Abgesehen davon, dass die Pfeile verloren gehen, kann es auch sehr gefährlich sein, wenn man nicht sieht, wohin der Pfeil fliegt. Auch Scheiben vor einem Gewässer, einem Graben oder nicht zugänglichem Gestrüpp sind nicht unbedingt notwendig.

Scheiben inmitten von Steinen
Pfeilbruch ist ärgerlich. Dass man nicht immer ein Gelände ohne Steine vorfindet, ist normal. Aber muss der Steinbock oder der Gamsbock direkt vor einem Felsen oder mitten in einem Geröllfeld stehen? Die Argumentation „Das ist der normale Lebensraum„ oder „das musst du halt treffen„ sind da wenig tröstlich.

Eng gestellte Scheiben
Oft geht es nicht anders auf einem permanenten Parcours. Man muss die Scheiben enger stellen. Befindet sich jemand im Bereich hinter der Scheibe – weil eben die Scheiben so eng stehen – dann darf man die Verantwortung nicht auf den Betreiber abwälzen, sondern hier hat jeder Schütze die Eigenverantwortung. Im Falle eines Unfalles wird der Richter sicher nach Fahrlässigkeit oder grober Fahrlässigkeit fragen. Trotzdem findet man immer wieder Parcours, wo es auch bei größter Vorsicht lebensgefährlich ist. Hier muss der Betreiber die Anzahl der Schützen begrenzen.

Schlechte Wegbeschreibung
Da freut man sich auf den Parcours und es stellt sich heraus, dass es ein Orientierungslauf ist. Die Wege von einer Scheibe zur anderen sind nur schwer zu finden. Weder Richtungspfeile noch Bänder sind zu sehen. Im Wald herumzuirren macht aber wenig Spaß; schließlich ist man zum Schießen da. Dabei ist eine gute Wegkennzeichnung das weitaus Billigste am Parcours. Man sieht daran auch das Engagement des Parcoursbetreibers.

Nur einen Pfeil pro Scheibe erlauben
Wer seine 3-D-Scheiben möglichst lange haben will, der hat im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: Zum einen kann man sie sehr weit stellen und zum anderen kann man nur einen Pfeile pro Scheibe erlauben. Um auch sicher zu gehen, kann man das auch noch mit einer Wildkamera überprüfen. Und wer einen zweiten Pfeil schießt, der fliegt vom Parcours. Das macht Freude und Freunde!

„Jagdlich„ gestellt
3-D-Schießen hat natürlich etwas mit Jagd zu tun, sonst würde man ja auf runde Scheiben schießen: das wird dann Feldbogenschießen genannt. Dass nicht alle auch eine Ahnung von der Jagd und im Speziellen von der Bogenjagd haben, ist verständlich. Das sieht man im Übrigen auch bei so manchem 3-D-Tier, wo die Killzone anatomisch absolut falsch eingezeichnet ist. Das aber nur am Rande. Immer wieder rühmen sich Parcoursbetreiber, dass der Kurs „jagdlich„ gestellt ist. Und darunter versteht man dann, dass es möglichst viel Gestrüpp, Äste oder sonstige Hindernisse zwischen Abschuss und Ziel sein müssen. Es muss des Öfteren schon ein Glücksschuss sein, dass man mit seinem Bogen genau durch diese kleine Lücke wirklich durchkommt.
Das ist wahrlich nicht jagdlich. Jagdlich hingegen wäre, dass die Entfernungen zum einen sehr kurz sind; 15 Meter für traditionelle Schützen, 30 Meter für den Compounder sind da das Maximum. Zum anderen steht auf der Jagd der Schütze in der Deckung und das Ziel ist im Freien und es ist kein Hindernis dazwischen. Das wäre jagdlich; aber ob das dann auch Spaß macht? Vielleicht könnte man „jagdliches Schießen„ durch „Hindernisschießen„ ersetzen. Würde besser passen.
Hauptaugenmerk auf Vereinslokal
Das Vereinsleben ist ohne Frage für viele sehr wichtig. Der sichtbare Ausdruck dessen ist dann das Vereinslokal, das liebevoll ausgebaut wird. Wenn aber hier das Hauptaugenmerk liegt und die oben genannten Mängel bestehen, hat man als zahlender Gast wenig Verständnis dafür.


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