10 Gebote Parcoursbetreiber


Satire


1. Gebot: Baue einen Parcours, ohne dich zu informieren.
Sobald du weißt, wo beim Bogen vorne und hinten ist, bist du ein Experte in Sachen Parcoursbau. Lass dir nie von einem andern, der vielleicht nur zehn Jahre Erfahrung hat etwas sagen und erklären. Zieh dein Ding durch.

2. Gebot: Stelle möglichst kleine Tiere auf.
Bogenschützen müssen gefordert werden. Einen Hirsch auf 40 Meter kann schließlich jeder treffen. Eine Ratte, ein kleiner Kauz und ein Murmeltier – und das möglichst zerschossen – in seiner Serie, bieten eine richtige Herausforderung. Versuche, vier bis fünf solcher Serien am Parcours unterzubringen.

3. Gebot: Ändere nie den Parcoursverlauf.
Bogenschützen sollen ja nicht die Hellsten sein. Also lass den Parcoursverlauf – einmal aufgestellt – in jedem Fall immer gleich. Noch besser ist es, auch die Scheiben nie oder nur in Ausnahmefällen auszuwechseln. Der Parcoursbesucher soll sich daran gewöhnen können. Und wenn ein Schütze auf einem ständigen Parcours nur alle vier Monate schießt, kann er das „Altern“ der Scheibe bis zur bitteren Neige mitverfolgen und damit die Qualität der Scheiben besser beurteilen.

4. Gebot: Befestige die Scheiben nicht zu fest.
Der Bogenschütze soll ja immer mit einer anderen interessanten Situation konfrontiert sein; Abwechslung eben. Gerne gesehen werden Scheiben, die extrem nach vorne oder auch nach hinten hängen; oder noch besser nach dem Ziehen der Pfeile die Position wechseln. Ein Klassiker ist auch das Murmeltier, das sich bei jedem Treffer dreht oder einen Salto schlägt. Sportliche Scheiben sozusagen.

5. Gebot: Verzichte tunlichst auf einen Pfeilfang.
Wer nicht trifft ist selber schuld! Idealerweise befindet sich hinter der Scheibe ein Sumpf; das Geräusch der verschwindenden Pfeile ist ja etwas Schönes. Auch eine Wiese ist zu empfehlen; und eine Bachbett sowieso. Um die Sicht auf das Gelände hinter der Scheibe zu behindern und so den Überraschungseffekt noch zu erhöhen, sollte man ein Netz aufspannen, das zwar wie ein Pfeilfangnetz aussieht, aber keines ist. Grüner Sichtschutz von Tennisplätzen – wenn es geht noch mit einer Werbung drauf – eigenen sich dafür hervorragend. Und ein tiefes Tal hinter der Scheibe ist sowieso der Heuler.

6. Gebot: Achte darauf, dass immer eine Straße oder zumindest ein Weg hinter oder neben der Scheibe verläuft.
Damit die Benutzer der Straße oder des Weges nicht gestört werden, ist eine Hecke dazwischen zu empfehlen; einige dichte Sträucher tun´s auch.

7. Gebot: Verleihe an jeden – vorzugsweise an Laien – eine Bogenausrüstung.
Die Einführung sollte zwei Minuten nicht übersteigen. Schließlich verdient man ja an der Parcoursgebühr und am Verleih und nicht am Kurs. Die Runde am Parcours soll für jeden ein Erlebnis sein. Wenn der Gast nach Hause kommt, sollte er was erzählen können. Und wenn dann noch einer einen Pfeil im Wadl hatte, ist das natürlich die Krönung; und in die Zeitung kommen Schütze und Getroffener vielleicht auch noch.

8. Gebot: Verwende nur Scheiben, denen man ansieht, dass sie schon einiges erlebt haben.
Solange wenigstens die Beine noch auf den Eisenpflöcken stehen, passt noch alles. Und eine eventuelle Reparatur muss man auch sehen können. Wichtig ist, dass die Materialien – PU-Schaum, Silikon … – sichtbar sind. Der Kill darf nur mehr ansatzweise erkennbar sein; beim echten Tier ist ja auch nichts eingezeichnet. Und nach jeder Reparatur muss das Tier anders aussehen; Mutanten-Targets!

9. Gebot: Lobe deinen Parcours in den höchsten Tönen.
Auch wenn du schon ein halbes Jahr nicht mehr dort warst, darf das nie fehlen. Gut macht sich immer, die Charakteristik des Parcours zu beschreiben. Dazu bereite dir einige Standardsätze vor. Im Internet – vor allem auf Weinseiten – findest du sicher etwas. Stelle auch immer die Frage, wenn es geht öfter: „Wie gefällt dir/euch der Parcours?“ Damit machst du dir ein objektives Bild.
Die Zahl der Besucher muss aus Imagegründen um eine Zehnerpotenz – in Ausnahmefällen um zwei – angehoben werden. Was macht schon eine Null mehr? Und wenn ein Gesprächspartner vorrechnet, dass bei diesem Andrang täglich 70 Schützen am Parcours sein müssten und du im Monat einen Umsatz von € 10.000.- haben müsstest, überhör es einfach. Die sind ja eh nur neidig!

10. Gebot: Mache die Scheiben selbst.
Wenn dir das Geld wegen des guten Umsatzes für handelsübliche Scheiben fehlt, baue sie selbst. Kenntnisse eines Zoologen oder Jägers brauchst du dazu nicht. Lobe natürlich dann das Engagement deinerseits und betone, dass die handelsüblichen Scheiben so langweilig sind. Gibt ja eh nur 500 verschiedene, da hat man natürlich auf jedem Parcours immer die gleichen. Die selbst gemachten Scheiben sollten auch zum Spiel „Heiteres Tiereraten“ passen.

11. Gebot (Ups, es sind 11 geworden): Verbinde zwei Sportarten miteinander.
Ideal wären Bogenschießen und Orientierungslauf. Dazu empfiehlt sich ein Parcoursplan mit vielen Strichen, aber wenig Information. 100-mal kopieren kann da Wunder wirken. Lass alte Markierungsbänder hängen, sonst findet ja jeder durch. Die Schützen müssen am Parcours auf alle Fälle mehrmals hin und her laufen und Nachkommende fragen, wo es langgeht. Damit würde man dann auch mit weniger Scheiben auskommen.


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